Hummelhaus Weimar
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Johann Nepomuk Hummel

J. N. Hummel: Büste

Johann Nepomuk Hummel war einer der bedeutendsten Komponisten und Konzertpianisten seiner Zeit. Anfang des 19. Jahrhunderts übertraf der Klaviervirtuose und Improvisator in seiner Bekanntheit selbst seinen guten Freund Ludwig van Beethoven – aus heutiger Sicht kaum mehr vorstellbar. Denn nach Hummels Tod 1837 verblasste sein Ruhm viel zu schnell.
Seine Kompositionen kennzeichnen den Übergang von der Klassik zur Romantik. Viel wichtiger jedoch für die nachfolgende Künstlergeneration – wie Chopin, Schumann und Liszt – ist die durch ihn bedeutend erweiterte Spieltechnik. Ihr waren für die damalige Zeit ganz neue Klangmöglichkeiten zu verdanken.
Die moderne Klaviermusik wurde von Hummel auch dadurch beeinflusst, dass er Carl Czerny unterrichtete, der wiederum der Lehrer von Franz Liszt war. Hummels Einfluss ist insbesondere in den frühen Werken von Frédéric Chopin und Robert Schumann unverkennbar. Schumann schrieb einmal an seine Mutter: „Ich gehe ... nach Weimar zu Hummel, um des pfiffigen Grundes wegen, nur ein Schüler von ihm zu heißen.“ Es kam leider nicht zur Verwirklichung dieses Vorhabens.

Johann Nepomuk Hummel wurde am 17. November 1778 in Pressburg geboren. Sein musikalisches Talent zeigte sich früh: Den ersten Unterricht zur Förderung seiner außergewöhnlichen Begabung erhielt er durch seinen Vater Johann, den Musikmeister am Kaiserlichen Militärstift in Wartberg und späteren Orchesterdirektor des Theaters Schikaneder in Wien.
Selbst der „große Meister“ Mozart konnte sich den Fähigkeiten des siebenjährigen Hummel nicht entziehen und nahm ihn als seinen Schüler auf. Die zweijährige Ausbildung im Hause Mozarts war sicher nicht von Kontinuität geprägt, hinterließ jedoch tiefe Eindrücke.
Im Anschluss an diese Zeit führten den damals neunjährigen Knaben und dessen Vater Konzertreisen durch Mitteleuropa. Sein weiteres Studium absolvierte er in London und Wien, wo er sich – wie vordem auch Beethoven – bei Albrechtsberger, Haydn und Salieri weiter ausbilden ließ.
Nach einem unerfreulich endenden Engagement (1804-1811) beim Fürsten Esterházy in Eisenstadt folgte eine weitere ausgedehnte Konzertreise, diesmal durch Russland und Europa.
1813 heiratete Hummel die am Wiener Hoftheater engagierte Sängerin Elisabeth Röckel, Schwester von Beethovens Freund (und erstem Florestan) Joseph August Röckel. Viele Jahre später berichtete Hummels Schüler Ferdinand Hiller über die Eheleute Hummel: „Die jugendliche, anmutige Hausfrau, die als Mädchen auch das lebhafteste Interesse Beethovens erregt hatte, empfing mich mit einfacher Herzlichkeit und der Meister selbst hatte sich inmitten seiner glänzenden Erfolge die gewinnendste Anspruchslosigkeit bewahrt.“ Die freundschaftliche Verbindung Beethovens und Hummels belegen Dankbriefe Beethovens, die nach Hummels Tod in dessen Schreibtisch gefunden wurden. Der Weimarer Hofkapellmeister hatte seinen Freund nicht nur mit freundlichen Worten sondern auch finanziell unterstützt.

Hummelbibliothek; Detail: Taktstockvitrine

Nach einem unangenehmen Intermezzo als Hofkapellmeister in Stuttgart (1816-1818) ging Hummel nach Weimar: „allwo ich mich gegenwärtig als großherzogl. Hofkapellmeister unter den für Kunst und Wissenschaft einwürkungsreichsten Auspicien des kunstliebenden Fürsten und der erhabenen Kunstkennerin, Selbstausüberin und meiner Schülerin, der Frau Erbgroßherzogin und Großfürstin von Russland befinde.“ (aus einem Brief an Joseph Sonnleithner vom 22. Mai 1826, zit. nach Allgemeine Deutsche Biographie Bd. 13, S. 385.)
Seine Entscheidung für Weimar fiel nicht nur aufgrund der unangenehmen Querelen in Stuttgart. Das durchaus üppige Gehalt von 1.800 Talern (800 Taler kamen aus dem Budget der Weimarer Hofkapelle, 800 Taler steuerte die großherzogliche Schatulle bei und weitere 200 Taler sicherte man im Ernennungsdekret für „Quartier und Holz“ zu) und einem garantiertem Jahresurlaub von 3 Monaten (!) machten ihm den Abschied leicht.
So kehrte er Stuttgart den Rücken und trat am 23. Februar 1819 seine Stellung in Weimar an. Von nun an prägte er nachhaltig das Musikleben über die Grenzen Weimars hinaus: Denn zum einen stand er im Zenit seiner internationalen Pianistenkarriere, zum anderen hatte er sich mit seinen Kompositionen (Klavierwerken, Kammermusiken, Messen, Kantaten, Opern, Balletten und und und) einen beachtlichen Ruf erworben. In den 18 Jahren seines Weimarer Wirkens wurden 78 Opernerst- und -uraufführungen am Hoftheater inszeniert.
Auf Johann Nepomuk Hummel gehen jene Weimarer Symphoniekonzerte zurück, die später so erfolgreich von Franz Liszt fortgeführt wurden. Berühmte Künstler wie der „Teufelsgeiger“ Niccolò Paganini, Henriette Sontag, Karl Stör, Eduard Stigl oder die Sängerin Wilhelmine Schröder-Devrient erlebten die Weimarer in Hummels Konzertprogrammen. Das Interesse war enorm: So war z. B. das Gastspiel des Violinvirtuosen Paganini am 30. Oktober 1829 trotz verdoppelter Eintrittspreise restlos ausverkauft.
1828 wurde Beethovens IX. Sinfonie durch Hummel erstmalig zur Neueröffnung des 1825 abgebrannten Hoftheaters in Weimar aufgeführt. Ebenfalls 1828 publizierte er die „Ausführlich theoretisch-practische Anweisung zum Pianoforte-Spiel“, ein umfassendes Unterrichtswerk der höheren Pianistik mit über zweitausendzweihundert Beispielen.
Genauso wie Friedrich Justin Bertuch setzte sich Hummel für ein deutsches Urheberrecht ein. Komponisten sollte es die Früchte ihrer Arbeit sichern und Verleger vor unerlaubtem Nachdruck schützen. Seine Entschlossenheit veranlasste die deutschen Musikverleger am 23. Mai 1829 zu einem Abkommen, in dem sie sich untereinander verpflichteten, Kompositionen nur mit Genehmigung der Autoren nachzudrucken.

1830 hob Hummel die „Pensionsanstalt für Waisen und Witwen der Hofkapelle“ aus der Taufe. Der Fond wurde aus jährlich stattfindenden Benefizkonzerten gespeist.
Neben seiner Verpflichtung als Hofkapellmeister unterrichte Hummel eine große Schar von Schülern. Ein von ihm notierter Stundenplan führt die Namen wichtiger Weimarer Familien – Krakow, Gernhardt, Coudray, Starcke und Voigt – auf.

Nach schwerer Krankheit verstarb Johann Nepomuk Hummel am 17. Oktober 1837 in Weimar. Er hinterließ seine Frau Elisabeth und seine zwei Söhne Eduard (1814-1893) und Carl (1821-1907). Der ältere wurde Musiker und Komponist wie sein Vater, der jüngere wurde als Maler und Professor an der Mal- und Zeichenschule über die Grenzen Weimars hinaus bekannt.

 
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